Ornithologische Gesellschaft Basel
Gartenrotschwanz-Projekt - Nicolas Martinez
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Diese Seite informiert über ein Projekt, das von der Ornithologischen Gesellschaft Basel finanziell unterstützt wird.
Auf dieser Seite:
Nicolas Martinez: Hängt der Bruterfolg des Gartenrotschwanzes vom Angebot an lückiger Vegetation im Brutrevier ab?

Gartenrotschwanz-Männchen
Einleitung
Der Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus ist ein kleiner, Arthropoden fressender Singvogel. Die Art ist ein Langstreckenzieher. Europäische Gartenrotschwänze ziehen nach Abschluss der Brutzeit in die Sahelzone.
Die Primärlebensräume des Gartenrotschwanzes sind lichte Wälder, die auch heute das wichtigste Habitat in skandinavischen Ländern und in Russland darstellen. Die aktuell vergleichsweise dichten Wälder in Mitteleuropa sind jedoch kein geeignetes Bruthabitat. Hier brütet der Gartenrotschwanz höchstens vereinzelt an Waldrändern oder in Lichtungen. Ideale Bedingungen fand der Gartenrotschwanz jedoch lange in den Streuobstgebieten vor. Diese Gebiete erfüllten mit den einzeln stehenden Bäumen und einer vielfältigen, nahrungsreichen Unternutzung genau seine Habitatsansprüche. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Gartenrotschwanz daher ein häufiger Brutvogel in allen Streuobstgebieten der Schweiz und des restlichen Mitteleuropas.

Gartenrotschwanz-Weibchen
Mit dem Verschwinden der Streuobstgebiete ab Mitte des 20. Jahrhunderts begann danach ein kontinuierlicher Bestandsrückgang. Einen zusätzlichen Bestandseinbruch erlitt der Gartenrotschwanz ab 1968 durch Dürreperioden im Überwinterungsgebiet. Von diesen Bestandseinbrüchen hat sich die Gartenrotschwanzpopulation bis heute nicht erholt und auch seit 1990 hat der Bestand weiter abgenommen. Selbst in ökologisch aufgewerteten Gebieten erlitt der Gartenrotschwanz einen Rückgang. Heute gehört der Gartenrotschwanz nach der Roten Liste in der Schweiz zu den potenziell gefährdeten Arten und er ist eine von 50 prioritären Vogelarten für Artenförderungsprogramme in der Schweiz. Ein Bestandsrückgang ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in mehreren anderen mitteleuropäischen Ländern feststellbar.
Dass nach wie vor regional hohe Revierdichten erreicht werden zeigt, dass
Dürren in der Sahelzone nicht die einzige Ursache für den aktuellen
Bestandsrückgang sind. Ebenso wichtig sind wohl Probleme im
Brutgebiet. Neben der andauernden Zerstörung der Streuobstflächen, wird
vermutet, dass eine Verschlechterung der Nahrungsgrundlage und
–erreichbarkeit einen der Hauptgründe für den Rückgang vieler typischer
Obstgartenarten darstellt. Durch die Intensivierung der Grünlandnutzung und
durch den häufigeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist die Masse der
potenziellen Nahrung zurückgegangen. Weiter ist in intensiv genutzten
Grünflächen die Erreichbarkeit der Beutetiere wegen der dicht stehenden
Vegetation erschwert, was einen entscheidenden Einfluss auf den
Nahrungserwerb und die Sucheffizienz hat. Wahrscheinlich aus diesem Grund
benutzt der Gartenrotschwanz dichtes, hohes Gras erheblich seltener zur
Nahrungssuche als lückige Bodenvegetationstypen.
Dass das Angebot an lückigen Bodenvegetationstypen auch einen Einfluss auf
die Revierwahl des Gartenrotschwanzes hat, wurde bereits gezeigt:
Gartenrotschwanz-Reviere weisen signifikant mehr Flächen mit lückiger und
niedriger Vegetation auf als Kontrollflächen. Was jedoch noch nicht
untersucht wurde, ist wie sich das unterschiedliche Angebot an lückiger,
und damit an für die Nahrungssuche geeigneter Vegetation auf den
Reproduktionserfolg auswirkt. Falls der Reproduktionserfolg von
Gartenrotschwanz-Paaren in Revieren mit wenig lückiger Bodenfläche
tatsächlich tiefer sein sollte, als in Revieren, welche viel lückige
Bodenfläche aufweisen, würde dies zeigen, dass der Gartenrotschwanz nicht
einfach nur lückige Bodenvegetationstypen bevorzugt, sondern dass die
Absenz derselben einen negativen Einfluss auf die Fitness des
Gartenrotschwanzes und letztendlich auf die Populationsentwicklung hat.
Projektziele
In Rahmen dieses Projektes soll untersucht werden, ob Reviereigenschaften (Angebot an lückiger Bodenvegetation im Revier) den Reproduktionserfolg von Gartenrotschwanz beeinflussen. Die Resultate sollen helfen, Erklärungen für den anhaltenden Bestandsrückgang des Gartenrotschwanzes in Mitteleuropa zu finden und gleichzeitig gezielte Massnahmen zur Förderung der Art zu erarbeiten.
Im Einzelnen sollen die folgenden Hypothesen überprüft werden:
- Gelege in Revieren mit wenig lückiger Bodenvegetation sind im Schnitt kleiner als Gelege in Revieren mit viel lückiger Bodenvegetation.
- In Revieren mit viel lückiger Bodenvegetation erreicht ein grösserer Prozentsatz der Jungen das flugfähige Alter als in Revieren mit wenig lückiger Bodenvegetation.
- Nestlinge in Revieren mit viel lückiger Bodenvegetation wachsen schneller als Nestlinge in Revieren mit wenig lückiger Bodenvegetation.
- Nestlinge aus Revieren mit viel lückiger Bodenvegetation sind beim Verlassen des Nestes schwerer als solche als Revieren mit wenig lückiger Bodenvegetation.

Nistkasten und Besitzer
Vorgehen
Jährlich werden in verschiedenen Schwerpunktgebieten der Region (Feldflur zwischen Reinach, Aesch, Therwil und Ettingen; Allschwil, Gebiet Asp in Dornach; Biel-Benken) alle Gartenrotschwan-Reviere kartiert. Die bekannten Reviere werden danach weiter kontrolliert und es wird versucht, die Nester zu finden.
Andere Gebiete werden aus Zeitgründen nicht systematisch abgesucht, gemeldete Bruten in weiteren Gebieten der Region Basel werden jedoch ebenfalls für die Arbeit verwendet.
Bei den lokalisierten Bruten werden die folgenden Daten erhoben:
Feststellen von Brutstatus, Gelegegrösse, Zahl der geschlüpften Nestlinge, Zahl der Nestlinge am 10. Tag nach dem Schlüpfen (als Mass für den Ausflugerfolg - die Nestlingszeit dauert 11-18 Tage) durch Kontrolle der ausgeleuchteten Nisthöhlen bzw. Nistkasten mit einem Kehlkopfspiegel. So lassen sich auch Brutplätze kontrollieren, welche nicht geöffnet werden können, und die Störung bei der Kontrolle wird minimiert.
Bei Bruten in Nistkästen, welche geöffnet werden können, werden die Jungen
im Alter von 6 Tagen beringt und gewogen. Die Gewichtsentwicklung wird
am 8. und 10. Tag überprüft. Die Altvögel werden im bzw. am Nistkasten
gefangen, um festzustellen, ob an den über mehrere Jahre untersuchten
Bruten die gleichen oder unterschiedliche Individuen beteiligt sind. Um
dabei das Verlassen der Bruten zu vermeiden, geschieht dies erst, wenn die
Jungen älter als 5 Tage sind. Der Fang der Altvögel erfolgt wenn möglich
durch eine am Kasten angebrachte Vorrichtung, die beim Hineinschlüpfen des
Tieres vom Beringer ausgelöst wird und das Schlupfloch verschliesst. Als
alternative Fangmethode ist der Fang mit dem Kescher (vor dem Nistkasten)
vorgesehen. Die gefangenen Altvögel werden vermessen und beringt.
Bei allen Revieren, in denen Daten zum Bruterfolg aufgenommen werden, werden während oder kurz nach der Brutzeit im Umkreis von 50 m um den Neststandort alle Bodenvegetationstypen kartiert. Die beschriebene Kreisfläche (7850 m2) entspricht in etwa der Grösse eines Gartenrotschwanz-Revieres. Während der eigentlichen Brut- und Aufzuchtsperiode wird zusätzlich dokumentiert, welche Wiesen-Anteile auf dieser Kreisfläche gemäht (< 20 cm Höhe) oder nicht gemäht (> 20 cm Höhe) sind.
Projektdauer
Das mehrjährige Projekt hat im Frühjahr 2010 begonnen.

Brütendes Weibchen
Kontakt
Falls Sie genauere Informationen zum Projekt erfahren möchten oder falls sie von einer Gartenrotschwanz-Brut wissen, dürfen Sie mich sehr gerne kontaktieren.
Nicolas.martinez44@yahoo.de
Nicolas Martinez
Baumgartenweg 20
4053 Basel
061 734 54 12
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Date: 2010-07-30 13:19:31 CEST
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